Zukunftsfähige Mobilität – Alle Oberbürgermeisterkandidierenden bekennen sich in Podiumsdiskussion zur Verkehrswende – Dokumentation der Politikerantworten

1. ÖPNV: Dichte, schnelle und zuverlässige Taktung trotz knapper Budgets
Frage:
Wie möchten Sie erreichen, dass der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) in Wuppertal
wieder dichter, schneller und zuverlässiger wird, ohne dass Millioneninvestitionen
notwendig sind?
Hintergrund:
Das Mobilitätskonzept der Stadt Wuppertal sieht den ÖPNV als Rückgrat der
Mobilität. In den letzten Jahren wurde das Angebot jedoch zurückgefahren: CE-Netz
aufgegeben, Takte ausgedünnt, Ampelvorrangschaltungen außer Betrieb, Busspuren
reduziert.

Antworten:
• Matthias Nocke (CDU): Prüfen, ob die Ampelschaltungen – besonders am
Döppersberg – tatsächlich optimiert sind; insgesamt bessere Abstimmung aller
Verkehrsteilnehmer.
• Dagmar Liste-Frinker (Grüne): Einsatz von KI zur Optimierung des ÖPNV
und seiner Steuerung.
• Marcel Hafke (FDP): Qualitätssteigerung durch voll klimatisierte Busse; auf
der Talachse könnten autonome Busse langfristig Personalkosten sparen.
• Miriam Scherff (SPD): Ausbau eines durchgängigen Netzes von Busspuren,
unterstützt durch intelligente Ampelschaltungen.
• Dr. Salvador Oberhaus (Linke): Mehr Zusammenarbeit statt Gegeneinander
im Mobilitätskonzept; Möglichkeit eines kostenlosen ÖPNV prüfen.

2. Radverkehr: Umsetzung des Radverkehrskonzepts beschleunigen
Frage:
Wie wollen Sie dafür sorgen, dass das 2019 beschlossene 300-km-Radwegenetz
nicht erst in 150–300 Jahren vollständig umgesetzt wird?
Hintergrund:
Bisher wurden nur ca. 10 km umgesetzt – etwa 1–2 km pro Jahr. Dennoch hat sich
der Radverkehrsanteil in den letzten zehn Jahren verzehnfacht.

Antworten:
• Dagmar Liste-Frinker: Politische Mehrheiten organisieren; erhofft Schub
durch die Bundesgartenschau.
• Matthias Nocke: Mehr Planungskapazitäten und besseres Controlling; Fokus
auf Verkehrssicherheit und Lückenschlüsse im Netz.
• Miriam Scherff: Stadtentwicklung und Verkehr zusammendenken; zusätzliche
Fahrradabstellmöglichkeiten in Quartieren; 90 %-Förderung konsequent
nutzen; priorisierte Bearbeitung des Konzepts in der Verwaltung.
• Marcel Hafke: Orientierung an Kopenhagen; Radwege getrennt vom
Autoverkehr – auch auf Nebenstrecken und Waldwegen.
• Dr. Salvador Oberhaus: Mehr Expertise aus der Zivilgesellschaft einbinden;
BUGA-Gelder lieber in den Radverkehr investieren.

3. Fußverkehr: Mehr Platz und Sicherheit schaffen
Frage:
Mit welcher Strategie wollen Sie den Fußverkehr in Wuppertal attraktiver und
sicherer gestalten?
Hintergrund:
Fußverkehr ist Basis der Mobilität und hat hohen Anteil am Wegeaufkommen, ist
aber häufig unterrepräsentiert. Beispiele wie Pontevedra zeigen, dass
Verkehrsberuhigung Innenstädte beleben kann.

Antworten:
• Marcel Hafke: E-Scooter stärker regulieren; Ampeln an großen Kreuzungen
so schalten, dass Fußgänger in einem Zug queren können; mehr
Zebrastreifen in Wohngebieten.
• Dagmar Liste-Frinker: Gegen zugeparkte Bürgersteige; setzt auf Umsetzung
des Parkraumkonzepts.
• Matthias Nocke: Sichere Schulwege schaffen; Ampeln auf langsamste
Verkehrsteilnehmer abstimmen; Quartiersgaragen auf brachliegenden
Flächen.
• Dr. Salvador Oberhaus: Rückbau der autogerechten Stadt; breitere
Gehwege.
• Miriam Scherff: Gehwege von Fremdnutzung befreien; Ampeln mit Wartezeit-
Timer ausstatten; Zebrastreifen mit Vorrang an innerstädtischen Kreuzungen.

4. Verkehrssicherheit: Vision Zero nach Vorbild Helsinki
Frage:
Welche Strategie verfolgen Sie, um die Verkehrssicherheit in Wuppertal deutlich zu
erhöhen?
Hintergrund:
Helsinki erreichte zuletzt null Verkehrstote. Dort gilt flächendeckend Tempo 30, mit
Priorität für Fuß- und Radverkehr.

Antworten:
• Dagmar Liste-Frinker: Bürgeranliegen stärker in Verwaltungsentscheidungen
einbinden.
• Matthias Nocke: Sichere Schulwege und Querungen; einfache Lösungen und
Lückenschlüsse für den Radverkehr.
• Dr. Salvador Oberhaus: Autofreie Innenstadt; bauliche Verkehrsberuhigung.
• Miriam Scherff: Zusammenhängende Planung statt Einzelmaßnahmen;
Akzeptanz für Parkraumreduzierung fördern; Planung an schwächsten
Verkehrsteilnehmern ausrichten (Kinder im Fokus).
• Marcel Hafke: Stärkere Durchsetzung der Straßenverkehrsordnung;
Geschwindigkeitsdisplays; Ausbau des Ordnungsdienstes.

5. Verkehrs- und Stadtentwicklungsplanung besser verzahnen
Frage:
Wie können wir erreichen, dass Verkehrsplanung und Stadtentwicklungsplanung
stärker ineinandergreifen?
Hintergrund:
Beispiel Düsseldorf: Die stadteigene Mobilitätsgesellschaft Connected Mobility
Düsseldorf (CMD) bindet Mobilstationen früh in Planungsprozesse ein.

Antworten:
• Dr. Salvador Oberhaus: Einrichtung einer Mobilitätsgesellschaft für
Wuppertal.
• Miriam Scherff: Betreibergesellschaft für Mobilstationen und Fahrrad-
/Autoparkraum; strategisches Fördermanagement mit interdisziplinären
Teams.
• Matthias Nocke: Bestehende Strukturen stärker an Zielen und Prioritäten
ausrichten.
• Marcel Hafke: Mehr umsetzungsreife Konzepte entwickeln, um Fördermittel
direkt nutzen zu können.
• Dagmar Liste-Frinker: Engeren Austausch zwischen Verwaltung und
Bürgerschaft.

6. Gehwegparken und Rettungswege: Flächenkonflikte entschärfen
Frage:
Wie wollen Sie mit nicht erlaubtem Gehwegparken umgehen und Rettungswege
freihalten?
Hintergrund:
Viele Quartiere sind durch abgestellte Privatfahrzeuge überlastet, während
Parkhäuser oft ungenutzt bleiben. Gewerbliche Stellplätze stehen nachts und an
Wochenenden leer.

Antworten:
• Matthias Nocke: Quartiersgaragen mit Ladeinfrastruktur; zentrale
Umladepunkte für Paketdienste.
• Miriam Scherff: Parkraumkonzept zügiger umsetzen; gewerbliche LKWs aus
Wohnquartieren fernhalten.
• Dr. Salvador Oberhaus: Motorisierten Individualverkehr einschränken;
attraktive Alternativen schaffen; Innenstädte beleben.
• Marcel Hafke: Autobesitz bleibt notwendig; setzt auf bestehendes
Parkraumkonzept; warnt vor Grabenkämpfen.
• Dagmar Liste-Frinker: Mehr Rücksicht im Verkehr; bestehende Regeln
durchsetzen; Lieferzonen zur Konfliktminimierung.